August 8, 2010

By Marion Schenk

Führung, Systemtheorie

Weisheit

Weisheit, ein großes Thema, ich weiß, aber gerade deshalb ja um so interessanter.

Gert Scobel nennt sein Buch: Weisheit. Über das, was uns fehlt.

Und da stellt sich mir natürlich die Frage, ob denn Weisheit auch etwas ist, das gerade in Beratung und Management derzeit fehlen könnte. Wenn erfolgreiches Management und Beratung darin bestehen Komplexität angemessen zu verarbeiten und darauf zu reagieren, müsste Weisheit ein integraler Bestandteil beider Professionen sein.

„Weisheit hängt damit zusammen, sich in komplexen Systemen optimal zu orientieren und Entscheidungen zu treffen, die nachhaltig sind, d.h. tatsächlich über längere Zeiträume hinweg Bestand haben und „halten“.“

Der angemessene Umgehen mit scheinbaren Widersprüchen und Paradoxien ist ja auch ein wesentlicher Bestandteil systemischen Denkens und Handelns. So finden sich in diesem Buch neben Weisheit im Kontext von Buddhismus und Christentum,  Erkenntnissen aus Neurowissenschaften und Psychologie auch Luhmann und Spencer Brown wieder.

Ziemlich am Anfang steht eine prägnante Beschreibung der Merkmale komplexer Systeme: Nichtlineartät, Selbstorganisation, dissipative Struktur, Emergenz, das Verfügen über ein „Gedächtnis“ und eine fraktale Struktur.

Für mich als Beraterin noch mal eine Erinnerung an das, was wir immer auch in Organisationen vorfinden (und nicht nur dort, im restlichen Leben ja auch). Dass es darum geht, eben genau dieser Komplexität bei allen Interventionen gerecht zu werden und wie oft man das dann doch „vergisst“ oder besser: wie oft Komplexität vorschnell reduziert wird.

Ich habe das Buch in einem Rutsch in drei Tagen durchgelesen. Kontemplativ auf dem Land, in der Einöde, ganz im Hier und Jetzt.
Dazu passte dann auch die poetische Zen-Weisheit von Meister Ryokan am Ende des Buches:

Gleich einer ziehenden Wolke,
Durch nichts gebunden:
Ich lasse einfach los,
Gebe mich
In die Launen des Windes.

Was nicht heißen soll, dass es nicht auch bestens in den Großstadtdschungel passt!

June 20, 2010

By Marion Schenk

Führung

Macht und Autorität

Aus gegebenem Anlass stapeln sich bei mir Texte und Bücher zum Thema „Macht und Einfluss in Organisationen“.

Beim Lesen quer durch das Thema bin ich über Luhmann: Macht, Michel Foucault: Analytik der Macht dann bei Richard Sennett: Autorität, hängen geblieben.

Das ist nicht nur der leichteren Lesbarkeit im Vergleich zu den beiden zuvor genannten geschuldet!

Ob man nun seinen Ausführungen und Ansätzen immer folgen möchte oder nicht, ich finde man kommt nicht umhin an einzelnen Stellen weiterzudenken und das in die unterschiedlichsten Richtungen.

Wenn Sennett Autorität in Form von Paternalismus in Organisationen beschreibt, fiel mir ständig die ein oder andere Firma oder Führungskraft ein, obwohl er historisch gesehen den Paternalismus natürlich nicht in der Gegenwart verortet.

Bekannt sind die Strukturen trotzdem: die Ambivalenz in Abgrenzung und gleichzeitigem Verhaftetsein an der Autoritätsperson, der Person, der die Macht zugeschrieben wird. Mir gefiel vor allem der Abschnitt, in dem er das Vater-Chefbild als Herrschaftsmetapher beschreibt und die Problematik, die damit entsteht.

„Herrschaftsmetaphern vereinfachen auf die gleiche Weise. Für sich genommen lässt sich das Familienleben nicht auf die egoistische, wohltätige Macht eines Vaters reduzieren. Und auch die Arbeitswelt lässt sich nicht auf persönliche Gefühle zwischen einem Chef und seinen Angestellten reduzieren. Indem die Metapher beide Elemente verbindet, engt sie beider Bedeutung ein.“

Neben der sogenannten Autorität der falschen Liebe (Paternalismus) steht das Konzept der Autorität ohne Liebe, das das Thema der Scham als alltägliche Bestrafung und Mittel der Kontrolle beinhaltet. Noch nicht zu Ende gedacht hat sich da in meinem Kopf eine Verknüpfung zu Sloterdijks Frage nach dem Thymos in unserer Gesellschaft hergestellt (siehe Blog vom 17.02.2010).

Sennett springt bei seiner Betrachtung unserer ambivalenten Beziehung zu Autorität von Organisation hin zu Familie, von historischen zu psychologischen Deutungen. Aber gerade das macht das Buch so anregend.

Mich lässt es über das eigene Verhältnis zu Autorität, zu Macht, sowohl persönlich, als auch in Organisationen nachdenken…und beim Blick auf das Beziehungsgeschehen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern fällt mir nun auch noch die ein oder andere ergänzende „Sinnkonstruktion“ ein. Warum führt die Ablehnung von Autoritäten, das scheinbare Auflehnen gegen die „Mächtigen“ letztlich dazu, weiter zu verweilen, sich an diese zu binden und förmlich „festzuhängen“? Warum ermöglicht oft erst die Distanz, manchmal die Kündigung dazu, einen umfassenden und weniger im „Opfersein“ verhafteten Blick auf die Beziehung zu erlangen?

Am Ende bleibt nicht nur die Analyse der Ambivalenz zur Autorität, die letztlich dazu führt, dass man in ihr gefangen bleibt, sondern auch ein Ausblick darauf, wie Veränderung über konstruktive Autoritätskrisen geschehen kann.

Beginnend mit  Hegel:

„Freiheit ist nicht Glück. Freiheit ist die Erfahrung eines Zwiespalts, die Erkenntnis, dass in jedem von uns ein Tyrann und ein Sklave hausen. Nur wenn Menschen das anerkennen, können sie hoffen, jemals mehr zu sein als Duellanten. Freiheit kommt schließlich zustande, wenn die Anerkennung, die ich dem anderen zuteil werden lasse, mein eigenes Selbst nicht schmälert.“

April 27, 2010

By Marion Schenk

Führung, Systemtheorie

Die Sache mit der Führung

Führung

Dazu gibt es mehr als genug Bücher, Artikel, Seminare und doch ist das Thema in fast allen Unternehmen immer eine „Baustelle“.

Also ein gefundener Anlass auch an dieser Stelle darüber zu schreiben.

Kaum jemanden, der mich kennt wird es wundern, dass ich in diesem Kontext natürlich mit dem von mir geschätzten Dirk Baecker unter dem Arm ankomme. Worin schon eine gewaltige Übertreibung steckt: ein kleines Buch, das in jede Jackentasche passt.

Dort kann es lange bleiben, denn es ist keine leichte Lektüre, gibt keine einfachen Antworten, Lösungen oder Verhaltenstipps. (Sie kennen Baecker!) Wohl dosiert genossen bietet es aber Anregungen um weiter zu denken und sich der Paradoxie der Führung zu stellen. Außerdem ist es auch sprachlich immer wieder ein Vergnügen!

Dirk Baecker: Die Sache mit der Führung

Eher zu Beginn formulierte er Gefahren der Führung, die entstehen, wenn man das Bewusstsein darüber verliert, dass das Beeinflussen des Anderen im Kontext der Führung auch immer heißt dass man sich selbst beeinflusst.

„Ich verabschiede mich (dann) aus der Möglichkeit und Notwendigkeit, an mir selbst zu prüfen, ob ich sein möchte, der ich werde, wenn ich so handle, wie ich gerade handle, und ob die Wirklichkeit, die ich damit schaffe und bestätige, eine Wirklichkeit ist, an der ich selber, hätte ich die Wahl, noch teilnehmen möchte.”

Zum Ende dann der schöne  Verweis auf Heinz von Försters ethischen Imperativ: „Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.“ Was für ihn auf Führung übertragen bedeutet, „die Willkür zu betonen, während Gehorsam gesucht wird, auf Alterntativen hinzuweisen, während Entscheidungen getroffen werden, und mit der Krise bereits zu rechnen,  wenn gerade hinreichendes Vertrauen gefunden worden ist…“

Uun und zwischen drin jede Menge Futter für Hirn und Handlung…

March 29, 2010

By Marion Schenk

Konstruktivismus, Systemtheorie

draw a distinction

Peter Fuchs schreibt im Vorwort zu  Felix Lau:  Die Form der Paradoxie.

“… seit langem geht ein Geraune um in den einschlägigen Wissenschaften…“

Gemeint ist das Geraune um das Formenkalkül von Spencer Brown (Laws of Form). Keine leichte Kost im Original und den meisten eher in der Interpretation für systemische Beratung und Management bekannt. (Wer hat wohl wirklich Spencer Brown im Original gelesen?)

Es geht um Unterscheidung und Bezeichnung, darum, dass die Welt durch einen Beobachter entsteht. Beobachten ist Unterscheiden.

“Draw a distinction and a universe comes into being.”

Wir erschaffen also die Welt, die sogenannte Wirklichkeit, die wir sehen.

Felix Lau bietet allen etwas, die die Mathematik lieben – und selbige durchaus philosophisch finden – und den anderen, die eher die praktische Anwendung und die Übertragbarkeit auf erkenntnistheoretische Fragestellungen spannend finden. Von der Luhmannschen Systemtheorie bis hin zum Zen finden viele Ideen Platz.

Und sollten Sie sich mit dem „re-entry“ in der Systemtheorie schwer tun: versuchen Sie es mal mit den Annäherungen die hier beschrieben werden!

Neben den Möglichkeiten des „Weltenerschaffens“ beinhaltet „draw a distinction“ aber auch Einschränkung und Reduktion.

Aus unendlichen Möglichkeiten entsteht EIN Universum. Oder um aus einem etwas anderen Genre zu zitieren, einem Kriminalroman von Linus Reichlin (Die Sehnsucht der  Atome): was dann Wirklichkeit wird, ist immer viel weniger, als die Wahrscheinlichkeiten, die es vorher gab.

In der Einöde eines abgeschiedenen mexikanischen Dorfes erklärt ein Hobbyphysiker seinem Gastwirt die Gesetze der Entropie und der Physik:

…sie hätten dann die Wahl. Sie könnten es (ihr Haus) weiß streichen, gelb oder vielleicht blau. All diese Möglichkeiten existieren gleichberechtigt nebeneinander, solange Sie sich für keine bestimmte entscheiden. Sobald Sie sich aber entscheiden, sagen wir für Blau, existieren  die anderen zwei Möglichkeiten nicht mehr.“

Nun, Entscheidungen machen das Leben eben auch manchmal „ärmer“…

February 22, 2010

By Marion Schenk

Literatur

Thymos und Furor (2)

Sloterdijk schreibt also über Thymos und Furor, analysiert die Geschichte unter diesen Gesichtspunkten und entlässt uns mit dem Fazit, dass es heute keine anerkannten Zornsammelstellen mehr gibt, wie sie früher im „zornigen Gott“ oder der „kommunistischen Weltbank des Zorns“ zu finden waren.

Aber wenn es stimmt, dass Thymos und Furor eine menschliche Antriebskraft für Veränderung sind, so sollten wir uns mit diesem Antrieb auch weiterhin auseinander setzen.

Was geschieht wenn die Anerkennung durch relevante Andere ausbleibt? Eine durchaus spannende Frage, in Organisationen – und natürlich nicht nur dort – in denen das Thema Anerkennung und Stolz in machen Etagen im Überfluss, in den anderen umso weniger gelebt wird. Was, wenn Thymos tatsächlich eine Antriebskraft zur Veränderung ist,  gerade auch bei Mitarbeitern nicht nur bei den Köpfen ganz oben?

Wie gehen wir mit gekränktem Stolz, den Themen Zorn und Rache (heute vielleicht manchmal eher „Sabotage“) um?

„In der Regel jedoch verbindet sich die tymotische Regung mit der dem Wunsch, das Selbstwertgefühl in der Resonanz der Anderen bestätigt zu sehen“.

Was geschieht, wenn die Resonanz ausbleibt?

„Die alte Welt kannte den Sklaven und den Unfreien, sie waren Träger des unglücklichen Bewusstseins ihrer Zeit. Die Moderne hat den Verlierer erfunden. Diese Figur, der man auf halbem Weg zwischen den Ausgebeuteten von gestern und den Überflüssigen von heute und morgen begegnet, ist die unverstandene Größe in den Machtspielen der Demokratie.“

Ich bin an vielen Abschnitten hängen geblieben, die zum weiterdenken und diskutieren einladen.

…und die, die mich kennen, wissen natürlich dass mir nicht zuletzt das immer währende wortgewaltige und unbescheidene Sprachgewitter Sloterdijks größtes Vergnügen bereitete…

February 17, 2010

By Marion Schenk

Literatur, Systemtheorie

Zorn und Zeit (1)

Auch wenn Alle momentan „ihr Leben ändern müssen“, bin ich an Sloterdijks „Zorn und Zeit“ hängen geblieben.

Peter Sloterdijk. Zorn und Zeit. 2008

Nun ist es eine heikle Sache über das Buch eines Philosophen zu schreiben. Das lässt immer eine kleine “Hochstatus Geste” vermuten (siehe der letzte Blog). Und nicht nur das,  mein erster Blick richtet sich auch noch auf die Form und nicht auf den Inhalt.

Für mich ist „Zorn und Zeit“ ein konsequentes Beispiel dafür, wie sich durch die Reduktion von Komplexität Komplexität erhöhen lässt.  Durch seine Konzentration auf die Themen Thymos und Furor – Stolz und Zorn – entsteht eine andere Sicht auf Geschichte und Gegenwart. Ohne Rücksicht auf die dadurch entstehenden „Blinden Flecken“ an anderen Stellen. Vieles wird ausgeschlossen, um im dann Beobachteten eine neue Vielfalt und Tiefe entstehen zu lassen.

Übertragen auf unseren Beratungsalltag ist es genau das, was  systemische Beratung sich auch trauen muss: einen konsequent anderer Blick einnehmen, um eine neue Deutung einer Situation zu erlauben, wohl wissend, dass dies eben EINE Sicht ist. Irritierend neue Interpretationsfolien nutzen, um neue Lösungen zu entwickeln. Was heißt dieser veränderte Blick auf Vergangenheit und Gegenwart letztlich für die Zukunft?

Also: kein Buch, das einen im Beratungsalltag direkt weiter bringt, aber inspiriert. Inspiriert auch dazu, sich im Organisationsalltag mit den Themen Anerkennung und Stolz auseinander zusetzen.

“Nach allem, was im Gange dieser Untersuchung gesagt wurde, wäre es abwegig, zu behaupten, der Zorn habe seine besten Zeiten hinter sich. Wir haben uns im Gegenteil davon überzeugt, dass der Zorn (zusammen mit seinen thymotischen Geschwistern, dem Stolz, dem Geltungsbedürfnis und dem Ressentiment) eine Grundkraft im Ökosystem der Affekte darstellt, ob interpersonal, politisch oder kulturell.”

Mehr zu den Anregungen des Inhalts dann morgen (wann ist morgen?)…

January 27, 2010

By Marion Schenk

Literatur, Status

Status: Was haben wir Berater mit Theater zu tun…

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot, meine Frau“, das kennt jeder. Glaspaläste, die Größe von Büro und  Schreibtisch, Füller und Uhr der richtigen Marke. Alles Stausymbole, die meist bewusst eingesetzt werden und  vergleichsweise leicht zu entschlüsseln sind. Status ist immer Thema in Organisationen, keine Karriere ohne die Auseinandersetzung mit Status, von außen zugeschrieben oder aktiv gesendet. Stets eng verknüpft mit Macht oder, wie manche sagen, sogar ein Synonym dafür.

Berater interessieren sich zunehmend dafür, wie der Status einer Person aus dem Zusammenspiel von Verhalten, Wirkung und Zuschreibung entsteht.

Spannende Anregungen zum Spiel mit Status, die den herkömmlichen Blick auf das Phänomen erweitern, finden sich bei Keith Johnstone (Dramaturg und Schauspiellehrer) in seinem Buch: Improvisation.

In einem eigenen Kapitel widmet er sich den verschiedenen Varianten des Spiels mit Status. Das ist ein wunderbares Konzept für die beraterische Praxis und eine fruchtbare Erweiterung bei der Analyse und der Interpretation gruppendynamischer Aspekte.

Johnstone beschreibt, wie sich scheinbar wohlwollende Gespräch unter dem Fokus „Statusspiel”  auch anders deuten lassen. Er schildert wie vermeintlich positive Kommentare den Status der angesprochenen Person senken und den eigenen heben können, und erklärt die Mechanismen, die wir nutzen, um Status auszutarieren, durch aktive Erhöhung des eigenen Status oder aktives Senken des andern. Wichtig ist immer die Differenz, die dadurch zwischen zwei Personen aufgemacht wird.

Sozialer Status, körperlicher Status. Statusspiele, die mit Gesten, Sprache und Haltung  gespielt werden: immer sind mindestens Zwei beteiligt. Status ist stets ein Phänomen sozialer Systeme, kommunikativ konstruiert.

Keith Johnstone dazu:

„Ich bitte sie … im Café zu beobachten, wie sich die Haltung aller Mitglieder einer Gruppe verändert, wenn einer weggeht oder neue dazukommt. Wenn man zwei Leute, die sich unterhalten, so lange beobachtet, bis einer der beiden weggeht, kann man sehen, wie der Zurückbleibende seine Haltung verändert. Seine Bewegungen hatten sich auf die Bewegungen seines Partners bezogen. Bleibt er allein zurück, muß er seine Haltung verändern, um eine Beziehung zu den Leuten im Café auszudrücken“

January 18, 2010

By Marion Schenk

Führung, Literatur

Fragen… oder welche Anregungen bietet Max Frisch in der Arbeit mit Führungskräften

Man sagt ja immer, hilfreiche Fragen zu stellen wäre eine der wichtigsten Interventionen im Beratungsgeschäft.

Kürzlich ist  mir dazu wieder Max Frisch in die Hände gefallen, das kleine Buch mit 11 Fragebogen. Natürlich sind das keine „systemischen“ Fragen. Aber ungewöhnliche und kluge Fragen, die irritieren und anregen können. Spannend zum Beispiel im Kontext der Führungskräfteentwicklung, weil sie die eigenen Wertvorstellungen und das eigene Menschenbild thematisieren.

Führung bedeutet vor allem sich und seine Reaktionen, die Werte, Leitsätze und Konstruktionen, die das eigene Beobachten und Handeln bestimmen, zu kennen. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur Kenntnis der eigenen Person gilt als ein zentraler Schlüssel für erfolgreiche Führung.

Hier kann schon die Frage, welche der Fragen einen am meisten anspricht, einen spannenden Reflexionsprozess in Gang setzen.

Fragebogen IV, Frage 2

Wie oft muß eine bestimmte Hoffnung (…) sich nicht erfüllen, damit Sie die betroffene Hoffnung aufgeben, und gelingt Ihnen dies, ohne sich sofort eine andere Hoffnung zu machen?

Oder eben auch aus dem eher „privaten Kontext“ (aber sind Manager und Führungskräfte nicht auch durch Persönliches geprägt?), die wunderbare Frage 12 in Fragebogen II

Wenn Kinder vorhanden sind: fühlen Sie sich den Kindern gegenüber schuldig, wenn es zur Trennung kommt, d.h. glauben Sie, dass Kinder ein Anrecht haben auf unglückliche Eltern? Und wenn ja: bis zu welchem Lebensalter der Kinder?

Natürlich gibt es auch jede Menge „optimistischer“ Fragen, von denen mein Kollege meint auch die müssten gestellt werden…

…aber die finden Sie dann ja selbst bei Max Frisch.

January 14, 2010

By Marion Schenk

Konstruktivismus, Literatur

Jeder kann alles verstehen

Meine Inspiration, Fundstücke zu sammeln und im Kontext der eigenen Gedankenwelt  zu interpretieren und zu verknüpfen stammt von Ernst von Glaserfeld einem der Begründer des Konstruktivismus. Er sagt von sich, er sammle Zitate um sie konstruktivistisch zu interpretieren.

„Ich mach mir da keine Gewissensbisse, was ich lese so zu interpretieren, denn ich sage mir, wer immer diese Sachen liest, muss sie interpretieren. Und der Kontext, innerhalb dessen man interpretiert, der ist sowieso nicht der des Autors.“

Welches dann schon das erste Buch ist, welches hier seinen Platz finden soll:

“Wie wir uns erfinden. Eine Autobiographie des radikalen Konstruktivismus. Ernst von Glaserfeld, Heinz von Foerster. 2006“

Ein wunderbares Buch in dem sich zwei Pioniere des Konstruktivismus auf lockere Art unterhalten und uns die Geschichte des Konstruktivismus anhand der eigenen persönlichen Biographie näher bringen.