Weisheit, ein großes Thema, ich weiß, aber gerade deshalb ja um so interessanter.
Gert Scobel nennt sein Buch: Weisheit. Über das, was uns fehlt. 
Und da stellt sich mir natürlich die Frage, ob denn Weisheit auch etwas ist, das gerade in Beratung und Management derzeit fehlen könnte. Wenn erfolgreiches Management und Beratung darin bestehen Komplexität angemessen zu verarbeiten und darauf zu reagieren, müsste Weisheit ein integraler Bestandteil beider Professionen sein.
„Weisheit hängt damit zusammen, sich in komplexen Systemen optimal zu orientieren und Entscheidungen zu treffen, die nachhaltig sind, d.h. tatsächlich über längere Zeiträume hinweg Bestand haben und „halten“.“
Der angemessene Umgehen mit scheinbaren Widersprüchen und Paradoxien ist ja auch ein wesentlicher Bestandteil systemischen Denkens und Handelns. So finden sich in diesem Buch neben Weisheit im Kontext von Buddhismus und Christentum, Erkenntnissen aus Neurowissenschaften und Psychologie auch Luhmann und Spencer Brown wieder.
Ziemlich am Anfang steht eine prägnante Beschreibung der Merkmale komplexer Systeme: Nichtlineartät, Selbstorganisation, dissipative Struktur, Emergenz, das Verfügen über ein „Gedächtnis“ und eine fraktale Struktur.
Für mich als Beraterin noch mal eine Erinnerung an das, was wir immer auch in Organisationen vorfinden (und nicht nur dort, im restlichen Leben ja auch). Dass es darum geht, eben genau dieser Komplexität bei allen Interventionen gerecht zu werden und wie oft man das dann doch „vergisst“ oder besser: wie oft Komplexität vorschnell reduziert wird.
Ich habe das Buch in einem Rutsch in drei Tagen durchgelesen. Kontemplativ auf dem Land, in der Einöde, ganz im Hier und Jetzt.
Dazu passte dann auch die poetische Zen-Weisheit von Meister Ryokan am Ende des Buches:
Gleich einer ziehenden Wolke,
Durch nichts gebunden:
Ich lasse einfach los,
Gebe mich
In die Launen des Windes.
Was nicht heißen soll, dass es nicht auch bestens in den Großstadtdschungel passt!









