„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ bekommt im Kontext des Wissensmanagements eine ganz neue Aktualität. Man spricht ja auch von der Veränderung der Form des Wissens im Laufe der Geschichte von der Unterscheidung Wissen/Glauben über Wissen/Macht hin zum heute bedeutsamen Unterschied von Wissen/Nichtwissen.
Wenn man Helmut Wilkes Einführung in das systemische Wissensmanagement gelesen hat, weiß man auf alle Fälle anschließend eine Menge mehr. Über systemisches Management, Wissen und Nichtwissen, wie Organisationen damit umgehen und natürlich über Wissensmanagement selbst.
Ich habe eine Menge Anregungen zum Weiterdenken über unterschiedliche Themen darin gefunden: etwa zum „Lernen“ mit der Parallele zur Kommunikation. Ebenso wie wir nicht nicht kommunizieren können, können wir nicht nicht lernen, denn jede Art von Praxis erzeugt immer lernen. Aber das Lernen muss nicht immer positiv sein, es kann auch destruktiv oder pathologisch sein, sowohl für Einzelpersonen als auch für Organisationen.
Und wenn man bei der Kommunikation bleibt, hier die Erinnerung: dass Personen deshalb kommunizieren:
„…weil sie eine Konstellation des Nichtwissens auflösen wollen.“ Ob das dann im richtigen Leben immer klappt, sei dahingestellt.
Führung und ob und wie sie möglich ist, waren ja schon öfter Thema in diesem Blog. Das Dilemma der Führung auch hier schön auf den Punkt gebracht.
„Management ist also in systemischer Sicht ein ewiges Katz-und Maus-Spiel oder Hase-und-Igel-Rennen, in dem Manager Interventionen mit Steuerungsabsichten setzten und dabei auf einen Kontext stoßen, der Steuerung nur in ganz besonderer, reduzierter Form überhaupt zulässt und der Interventionen nahezu beliebig abblocken kann.“
Mit dem Hinweis darauf, dass in komplexen Systemen gerade das Nichtwissen unvermeidbar zu wichtigen Entscheidungen gehört.
Der Umgang mit Nichtwissen scheint von einer ähnlichen Ambivalenz geprägt zu sein wie der mit Fehlern. In Organisationen wird eine positive Fehlerkultur gepredigt, dennoch werden Fehler vertuscht. Ein ähnliches Schicksal scheint das Nichtwissen zu ereilen. Es soll eine relevante Größe werden und dennoch beschäftigen sich nur wenige damit.
Dazu Wilke: „Expertise im Umgang mit Nichtwissen ist nach wie vor dadurch behindert, dass viele Auswege in Richtung Wissen suchen und nur wenige die Unsicherheit aushalten, die neue Optionen eröffnet und möglicherweise dazu führt, dass Kontingenzen nicht naturwüchsig hereinbrechen, sondern in Grenzen steuerbar werden.“
Expertise und Expertentum, Überlegungen zur Bedeutung der Mitarbeiter in modernen Unternehmen, beziehungsweisezum Umgang mit Mitarbeitern finden sich auch in diesem Buch:Die These hier: Experten benötigen Autonomie um sich und ihr Wissen sinnvoll zu entfalten. Sinnvoll für die Organisation und für den Umgang mit Wissen.
„Autonomie ist eine zweiseitige Beziehung. Sie muss gegeben und gefordert werden, ermöglicht und in Anspruch genommen werden.“ Aufgabe von Führungskräften ist es, bei sich und anderen für diesen Freiraum zu sorgen.
Und nimmt man die Bedeutung von Wissen ernst, so ist entscheidender Faktor für Beurteilung und Entlohnung in intelligenten Organisationen nicht mehr das Wissen, über das jemand verfügt, sondern die Lernfähigkeit desMitarbeiters.
Vieles ist nicht neu, bekannte Theorien, aber in diesen speziellen Kontext gesetzt. Der Logik folgend, dass Daten erst durch Kontext zu Informationen und diese erst im Lichte des Erfahrungsmusters eines Systems zu Wissen werden.
Last but not least finde ich als ewige Verfechterin von Lernen und Veränderung natürlich Freude an der Aussage:
„Tatsächlich wird in der Wissensgesellschaft, der Wissensökonomie und in wissensintensiven Organisationen die Toleranz gegenüber Inkompetenz und Ignoranz geringer.“
Na, dann wollen wir es mal hoffen!










