Welch provokanter Satz von Humberto Maturana, der selbst in einer Diktatur lebte, überlebte.
Bei der Beschäftigung mit meinen Lieblingsthema “Macht“ bin ich inspiriert über ein Zeitungsinterview auf das Buch: Abschied vom Absoluten. Gespräche zu Konstruktivismus von Bernhard Pörksen gelandet. Ein Beitrag in diesem Buch: „Das Erkennen des Erkennens verpflichtet“. Ein Interview, das Bernhard Pörksen mit dem chilenischen Biologen und Philosophen Humberto Maturana führt. Es geht um Macht, seine Erfahrungen in der Diktatur und sein Verständnis davon, wie wir unser Welt gestalten, und, wie ich finde: es geht um Verantwortung.
„Da ich selbst in einer Diktatur gelebt habe, weiß ich, wovon ich spreche. Seltsamerweise entsteht Macht erst durch Gehorsam. Sie ist die Folge eines Aktes der Unterwerfung…“
Was Maturana über Macht und Machtbeziehungen sagt, lässt nicht unberührt. Man muss eine Position dazu finden und sein eigenes Verhältnis zu: „ich kann nicht anders“ neu überdenken.
Wo kann ich entscheiden und wo nicht? Das ist die Frage, die er stellt und was er eigentlich sagt ist, dass wir immer Entscheidungen treffen. So wird Können zu Wollen und Nicht-Können eben häufig zu Nicht-Wollen.
Wir haben immer mehr Wahlfreiheit, als wir denken. Das gilt für die, die in der Hierarchie weiter unten angesiedelt sind, die sogenannten weniger Mächtigen ebenso wie für die, die Macht haben.
Und es geht um fragen, hinterfragen, den Umgang mit blinden Flecken und Reduktion.Sich einer Sache ganz sicher zu sein bedeutet demnach: nicht mehr nachdenken, nicht mehr fragen, nicht mehr zweifeln müssen.“
Spannend auch, dass er sich gegen die Übertragung seines Autopoiesebegriffs in den nicht biologischen Bereich verwehrt, explizit auch gegen die Übertragung auf soziale Systeme. „Kommunikation setzt Menschen voraus, die kommunizieren. Kommunikationen produzieren nur mit Hilfe von lebenden Systemen Kommunikation. Durch die Entscheidung, Moleküle durch Kommunikationen zu ersetzen, werden die Menschen als Kommunizierende ausgeklammert.“
Und auch die Firmen werden nicht ausgelassen, die er meint, wenn er sagt:
„Bei einem sozialen System, das die Beschwerde und die Klage nicht gestattet und prinzipiell ausschließt, handelt es sich nicht um ein soziales System. Es handelt sich um Tyrannei.“
Ein zutiefst humanistisches Interview, und ein Beitrag der an Verantwortung appelliert und immer wieder vor Augen führt, dass wir die Welt, in der wir leben gestalten.
„..dass man an der Erzeugung der Welt, in der man lebt, unausweichlich seinen Anteil hat. Wir bringen die Welt hervor, die wir leben.“









